Bei einer Feier letztes Jahr bekam ich Gutscheine von ÖT (Österreich Ticket). Ich habe mich irrsinnig gefreut obwohl ÖT eine der Firmen ist die ich nicht so gern habe.
Warum?
Weil sie auf Karten sehr hohe Aufschläge haben.
Zum Beispiel ging ich letzten Monat auf ein Konzert, wo die Karte € 15,- gekostet hätte. Ich schaute natürlich auch bei ÖT, aber da hätte mich die Karte € 18,- gekostet und fürs schicken der Karten verlangen ÖT so viel, dass ich um dasselbe Geld schon ein 1kg Paket in die Schweiz schicken könnte.
Also meiner Meinung nach läuft hier die volle Abzocke.
Aber ich will ja mein Erlebnis von heute erzählen.
Also um besagte Gutscheine mit einem Konzert auszulösen ging ich in eine Libro Filiale, da der Libro auch ÖT Konzertkarten verkauft.
Also ging ich in die Libro Filiale und sprach gleich eine Verkäuferin an, dass ich mir Konzertkarten kaufen will. Diese teilte mir bereitwillig mit, dass ich mich an der Kassa anstellen muss. Gut ich stellte mich zu der Kasse drehte mich um, weil ich die Verkäuferin noch etwas fragen wollte, aber sie war verschwunden. Ich drehte mich nach allen Seiten um, aber sie war weg. Ich dachte mir, vielleicht habe ich mit einer Weltmeisterin in 100m Sprint gesprochen.
Oder es war eine Ninja Verkäuferin,……………………aber da keine Rauchbombe geworfen wurde, verwarf ich den Gedanken gleich wieder.
Gott sei dank waren nur 5 Kunden vor mir. Nur ist „Nur2″ halt auch nur ein Wort.
Denn eine Kundin musste ihre Ware 2x umtauschen bis sie eine Verpackung fand, wo die Ware nicht irgendwie lädiert war. Madame Zwei ein kleines Fräulein die eine Homer Simpson Maske kaufte fand ganze 5 Minuten ihre Geldbörse nicht mehr. Auch die Zeitspanne von 5 Minuten klingt nicht lange, aber wenn man mit allen Raffinessen winterlich angezogen ist und das Geschäft auf zarte 25 Grad Celsius aufgeheizt ist, werden die 5 Minuten ziemlich unruhig abgestanden.
(Da fällt mir ein, zu dem Thema:Winter und überheizte öffentliche Verkehrsmittel, muss ich auch einmal was schreiben.)
Gut dann kam noch ein kleiner Umtausch wo die Dame an der Kassa die Filialleiter-stellvertreterin aus dem Büro klingeln musste, weil die Kassiererin nicht das Recht hatte einen Storno oder Minuseintrag oder was auch immer durchzuführen. So etwas passiert übrigens auch in anderen Geschäften.
Gut, aber ich kam dann durchgeschwitzt und etwas zappelig doch an die Reihe.
Ich sagte voller Datendrang, dass ich 2 Karten für das nächste Fanta 4 Konzert haben will. Wobei die Kassiererin einen Blick aufsetzte wie „….aber ich will doch nur Kassieren, alle wollen etwas nur nicht einfach zahlen!“ Während sie mich mit dem Blick ansah, ahnte ich böses und wirklich, die Hand ging unter die Kassa und sie klingelte in den Aufenthaltsraum oder ins Lager, oder ins Trainingslager für 100m Sprinterinnen den die Ninja Verkäuferin schlurfte nach vorne. Wie das kleine schwache, „in 10 Jahren bin ich eine Frau, aber jetzt stinkt mir alles“, sich Richtung Kassa quälte, fragte ich mich wie sie zuerst so schnell verschwinden konnte. Außerdem wunderte ich mich, dass diese Verkäuferin nach vorne
Kommt, welche mir vor 10 Minuten sagte, dass ich die Karten an der Kassa kaufen sollte, wo die Kassiererin es jetzt doch nicht konnte.
Also fragte ich sie ungläubig und verschwitzt ob sie sich noch daran erinnern konnte dass ich sie zuerst fragte, wie ich mir Konzertkarten kaufen könnte. Woraufhin sie zu Boden starrte und während des Weglaufens meinte, dass sie nicht weiß wie das geht. Und diesmal war sie wieder schnell. Ich glaube man braucht dem Mädchen bei einem Sprintwettbewerb nur nachschreien das es Arbeit gibt und wir haben ein Lauftalent in unserem Jugend Leichathletikteam.
Ich gebe den Verkäuferinnen jetzt Namen, die auch ihr Wesen beschreiben sollen und damit man sie besser unterscheiden kann. Jeder hat ein Gesicht vor Augen wenn er einen Namen hört und ich werde meine Erinnerungen jetzt freien Lauf lassen.
Also nenne ich die Kassiererin die fröhliche Susi, weil sie so unbeschwert alles über die Kassa zieht. Die Sprinterin nenne ich Kim den Manga Grufti, weil sie Fähigkeiten wie ein Pokemon aufweist und ziemlich Gruftimässig aussieht.
Auf jeden Fall kommt 2 Minuten später Herta die verzweifelte Hausfrau. Anscheinend war sie in der Mittagspause schnell beim Friseur, weil man sich im Gemeindebau schließlich keine Blösse geben will. Also erzählte ich der Herta mein Leid, worauf sie hochprofessionell auf den Boden blickend „hmjo“ ausseufzte und mich dann fragte was ich will. Ich dachte mir, daß sich mein Kaufwunsch mittlerweile herumgesprochen haben musste, aber anscheinend nicht. Ich sagte Herta der Hausfrau also, dass ich noch immer 2 Karten für Fanta 4 haben möchte und ich dafür Ö Ticket Gutscheine im Wert von € 50 und € 100 habe.
Diesmal las ich in Ihren Augen ihre Gedanken, „Was soll ich heute Kochen, hoffentlich sauft sich mein Mann heute nicht wieder so an, während ich arbeite, Wäschewaschen, Putzen.“
Aber sie sagte nur:“ Mit Gutscheinen kenne ich mich nicht aus“, drehte sich ohne ein weiteres Wort um und watschelte mit einem Kuchenrezept im Kopf davon.
Wen haben wir jetzt schon kennen gelernt, Kim den Manga Grufti, die fröhliche Susi die übrigens noch immer wie am Laufband Ware über den Scanner zog und Herta die Hausfrau.
Jetzt kam die Anni, Anni die Blume aus dem Gemeindebau. Eine Frau mit spitzem Gesicht trotz ihrer geschätzten 90 kg, schwarz gefärbten dünnen Haaren die glatt herabhingen und einer gedrungenen aller Welt Mac Donalds Figur.
Die Anni kam schon mit dem Vorwissen was der dicke mit der Brille da draußen will. Sie nahm selbstbewusst die Gutscheine in die Hand, ging zu einem Computer der in dem 1 Quadratmeter großen Kassa Cocon stand, quetschte sich zu der auch nicht schlanken Susi, die übrigens noch immer ununterbrochen Ware scannte und kassierte. Doch dann stellte sich heraus dass man beim Libro keinen Gutschein über den Restbetrag bekommt sondern einen Libro Gutschein, den ich aber nicht wollte. Ich wollte den Betrag als Ö Ticket Gutschein, damit ich ihn wieder für ein Konzert verwenden konnte.
Das war wieder eine mittelprächtige Katastrophe, denn jetzt hatten wir in Teamwork geschafft dass die Anni bis zum Computer kommt, obwohl es ein bisschen eng aussah und sie schon das Konzert der Fanta 4 gefunden hatte. Ich hatte inzwischen so viel Flüssigkeit verloren, dass ich leichte Wadenkrämpfe bekam und ich plötzlich nachfühlen konnte wie sich eine Wasserrutsche in einem Freibad fühlte, nass. Nass wie mein Rücken. Ich fragte mich ob man mein Leid schon durch die Jacke sehen konnte.
Während die fröhliche Susi den dreitausendsten Artikel, seit ich im Geschäft bin, über den Scanner zog, rief die Anni den Regionsleiter an und bat ihn um Hilfe. Doch der Regionsleiter hatte kein Mitleid mit der Blume aus dem Gemeindebau und schon gar nicht mit dem gestressten Kunden neben der Anni, wie sie es dem Regionsleiter so schön schilderte. Sie solle doch ins Handbuch schauen, da steht alles drin.
Aaaahh, jetzt war mir plötzlich klar wie der Libro seine Mitarbeiter einschulte. Wahrscheinlich ungefähr so.
„Ich begrüße sie in unsrem Team Frau Huber, räumen sie einmal das Lager zusammen und lesen sie das Handbuch.“ „Wenn sie es gelesen haben, dürfen sie in den Verkaufsbereich.“
Also bekommt man beim Libro nicht nur ein schlechtes Gehalt, nein, man bekommt auch keine Ausbildung. Irgendwie verstehe ich den Manga Grufti jetzt doch.
Wieder mit den Gedanken abgeschweift.
Die Anni war auf den Weg ins Büro und lies mich zum dritten mal stehen, ohne dass ich wusste worauf ich jetzt warten sollte.
Tick Tack Tick Tack Tick Tack. Die fröhliche Susi konnte mittlerweile die Barcodes auswendig, die Herta wusste jetzt wie sie den Kuchen am besten hinbekam und ich glaube Kim schlief irgendwo im Lager und träumte von einer Filmkarriere als Pokemonstar.
Nach 10 Minuten Wartezeit fragte ich die Herta was die Anni jetzt macht, weil ich nicht den ganzen Tag hier verbringen will. Worauf sie mir mitteilte, dass die Anni, die auch Filialleiterstellvertreterin war, mit Ö Ticket telefonierte um herauszufinden wie sie mir doch noch einen Gutschein mit dem Restbetrag besorgen könnte. Ich sagte Kuchen Herta,dass ich mittlerweile in dieser Filiale 6 Stationen durchlaufen hatte und ich nicht verstehe, was an der Aktion so schwer ist. Sie schaute mich an, als hätte ich gefragt wie man einen Basiskuchenteig herstellt und wollte wissen in welchen Geschäften ich schon war. Ich hätte fasst zu weinen angefangen, hatte aber nicht mehr genug Flüssigkeit für Tränen in mir. Trotz dem ich kurz vor der Dehydration stand schilderte ich ihr den Ablauf in der Filiale in der sie arbeitete und fragte mich gleichzeitig ob sie überhaupt wusste wo sie war. Es war zwar nicht so gewollt aber meine Erzählung bekam die ganze Schlange an der Kassa mit und sie mussten lachen ob der komplizierten Vorganges eines einfachen Wunsches nach 2 Konzertkarten. Plötzlich hatte ich den Einfall des Tages. Ich gebe nur den € 50,- Gutschein ab und lege den Restbetrag bar drauf. Wahnsinn, früher hat man mit solchen Ideen Welten erobert. Mit dieser Wahnsinnsidee ging ich zu Herta und schickte sie auf die Wiese (Erinnerung: „Blume aus dem Gemeindebau“) zur Anni um sie zu holen. Plötzlich funktionierte die Ticketbestellung. Es waren fasst 30 Minuten vergangen, ich kaufte noch eine Flasche Mineral die ich in einem Zug austrank und ging glücklich und mit einer Erfahrung mehr in meinem Leben aus der Libro Filiale. Ich habe heute erfahren, dass ich nicht mehr unvorbereitet in eine Libro Filiale gehe, ohne den internen Ablauf zu kennen, damit ich den überforderten Damen erklären kann was zu tun ist und sie nicht einen gelangweilten Regionsleiter anrufen müssen, der sein Allgemeinwissen gerade mit der Ganzen Woche auffrischt.
Wie sagte der Wlaschek auf die Frage, ob sein Sohn das Imperium übernimmt? „Mein Buam gib i des Gschäft sicher net in die Han, dafür is er zu deppert!“
Den Libro hat er übernommen und das merkt man. Denn die alte Börsenweisheit, „Der Fisch fängt immer beim Kopf zu stinken an, stimmt.

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